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Technik-orientierte Menschen neigen dazu, Gestaltung und Design entweder für mehr oder weniger überflüssigen Schnickschnack zu halten oder mit coolen Effekten zu verwechseln. Das ist natürlich Unsinn. Gute Gestaltung wirkt auf der emotionalen Ebene, und zwar selbst bei Menschen, die sich für künstlerisch unbegabt halten. Wer diese emotionale "Ausstrahlung" einer Website zielgerichtet einsetzen kann, hat gegenüber seinen Mitbewerbern einen möglicherweise entscheidenden Vorsprung.
Dennoch gehen die Meinungen darüber weit auseinander, wieviel gestalterischer Aufwand denn nun tatsächlich erforderlich ist, je nachdem ob man einen Technik-fixierten HTML-Programmierer oder eine Werbeagentur fragt. Dass man einem HTML-Freak nicht alleine deshalb gestalterischen Fähigkeiten zutrauen kann, weil seine allgemein übliche Berufsbezeichnung Webdesigner lautet, versteht sich eigentlich von selbst, wird aber oft missachtet. Bei Werbeagenturen kann man gestalterische Kenntnisse in der Regel zwar voraussetzen, aber hier taucht das besondere Problem auf, dass für viele dieser Agenturen der Bereich Web-Marketing nur einer von vielen Medienbereichen ist, und nicht selten erfolgreiche Prinzipien klassischer Werbemedien unbesehen auf die Gestaltung von Webseiten übertragen werden. Der Kunde ist zufrieden, weil er eine vermeintlich "tolle" Website bekommt, aber man erweist ihm damit einen Bärendienst, denn Webseiten unterscheiden sich in einigen Aspekten fundamental von herkömmlichen Medien.
Alle Werbemedien, einschließlich des Internets, funktionieren mehr oder weniger nach dem bekannten AIDA-Prinzip: Attention (Aufmerksamkeit erzeugen), Interest (Interesse wecken), Desire (ein Bedürfnis wecken) und Action (der Kunde kauft). Im Unterschied zu Werbung im Radio, Fernsehen, Plakatwänden oder Printmedien wirbt eine Website jedoch nicht unmittelbar, sondern sie muss entweder vom Besucher aktiv aufgesucht werden, oder er wurde durch andere Methoden (Email, Popups, Links etc.) dorthin geleitet. Sobald der Besucher sich auf einer Website befindet, sind daher die ersten beiden Punkte des AIDA-Prinzips (Attention und Interest) bereits erledigt, trotzdem tun viele Werbeagenturen oder Effekt-verliebte Webdesigner so, als müsste erst noch das Interesse durch Animationen oder beeindruckende Gestaltung geweckt werden. Damit erzeugen sie beim Web-Besucher Frust, denn er fragt sich als erstes:
Bin ich hier richtig? - Ist es die Seite die ich haben wollte, also z.B. die Original-Herstellerseite, die eines Wiederverkäufers oder vielleicht nur die Seite eines Anbieters mit ähnlicher URL? Werbephrasen oder Animationen bewirken hier höchstens den Anstieg des Adrenalinspiegels.
Wo genau finde ich, was ich suchte? - Wer freiwillig oder unfreiwillig auf eine Website gelangt ist, hat in der Regel bereits einen ganz speziellen Wunsch, sonst hätte er nicht geklickt oder die URL eingegeben. Auch hier nervt Phrasengedresche, wenn im Gegenteil eine klare und übersichtliche Navigation gefragt wäre.
Wie kann ich kaufen? - Falls ein Web-Besucher nicht nur bereits Interesse hat, sondern kaufen will, muss auch dieses Bedürfnis ohne Umwege befriedigt werden. Selbst noch so informative und gut gemachte Informationen sind für diesen Kunden fehl am Platze, weil sie ihn nur von seinem bereits getroffenen Kaufentschluß ablenken würden.
Was ist das für ein Anbieter? - Dieser Kunde möchte weder kaufen, noch wünscht er tiefschürfende fachliche Informationen, er wäre möglicherweise an einer Werbepräsentation interessiert, auf jeden Fall aber an Fakten. Keine, oder schwammige Aussagen dazu sind auch eine Aussage, und zwar keine positive.
Wir sind hier nicht ganz unabsichtlich von der Webseitengestaltung in Richtung Marketing abgedriftet, und zwar um die Prioritäten anschaulich zu machen: Erst muss klar sein, was ich transportieren und wen ich ansprechen will, dann kann ich die gestalterische Ausführung planen, nicht umgekehrt!
Mehr... (Checkliste Webseitengestaltung)
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